Christus, Quelle einer neuen Kultur für Europa,
an der Schwelle des neuen Jahrtausends

Präsynodales Symposium im Vatikan
11.-14. Januar 1999

Nach den historischen Ereignissen, die 1989 von Europa ausgingen und sich auf die ganze Welt auswirkten, hat Papst Johannes Paul II. die Initiative ergriffen, erstmalig eine besondere Synode der Bischöfe für Europa zusammenzurufen. Er hat den Päpstlichen Rat für die Kultur darum gebeten, ein präsynodales Symposium zu organisieren, das vom 28. bis zum 31. Oktober 1991 in Vatikan stattfand und dessen Akten, Christentum und Kultur in Europa: Gedächtnis, Bewußtsein, Aufgabe, nachher auf italienisch, französisch, spanisch, polnisch, russisch, deutsch und portugiesisch verteilt wurden.

In den folgenden Jahren hat sich auf dem Weg für ein geeintes Europa viel ereignet. Nach der Euphorie des Mauerfalls in Berlin und nach den Hoffnungen über das Zerfallen des kommunistisch-atheistischen Sowjetimperiums sind die Enttäuschungen nicht ausgeblieben und neue Spannungen aufgetreten, ja neue Konflikte entstanden. Die gesellschaftlich-politischen Änderungen und die kulturellen Wandlungen haben auch der Kirche bemerkenswerte Schwierigkeiten bereitet. So erschien es dem Heiligen Vater angebracht, eine neue besondere Synode der Bischöfe zusammenzurufen, die im Herbst 1999 stattfinden soll.

Aus dieser Perspektive erschien es wichtig und notwendig, ein neues präsynodales Symposium vom 11. bis zum 14. Januar 1999 in Vatikan zu veranstalten, das den Bischöfen eine qualifizierte Vorbereitung ermöglichen soll. In Hinblick auf die Perspektiven der zweiten europäischen Bischofssynode unter dem Thema "Jesus Christus, der lebt in seiner Kirche, Quelle der Hoffnung für Europa", steht das zweite präsynodale Symposium unter dem Motto: Christus, Quelle einer neuen Kultur für Europa, an der Schwelle des neuen Jahrtausends.

Die vier Arbeitstage sollen es ermöglichen, vier fundamentale Dimensionen positiv darzulegen und angemessene Perspektiven auszuarbeiten:

  • I. Wiederfinden der Fundamente: Philosophie und Theologie, Anthropologie und Wissenschaften.
  • II. Neubesinnung auf die Grundlagen: Familie und Erziehung, Schule und Universität.
  • III. Erneuern des Humanismus: Literatur, Kunst, Kommunikation.
  • IV. Neubedenken der Weges des Menschen in der Gesellschaft: Nationen und Kulturen, Ethik, Wirtschaft und Politik.

Dieses Symposium paßt in die Dynamik hinein, die unter dem Impuls des Heiligen Vaters die ganze Kirche in das dritte Jahrtausend führt und diesen neuen Abschnitt zu einer Ära erhebt, in welcher dem Heilsplan Gottes und seiner unendlichen Weisheit sowie der Erwartung der Wiederkunft Christi, der vom Vater gesandt und von der Jungfrau Maria als Anfang aller Dinge und Archetyp aller Menschen geboren wurde, Raum gegeben wird.

An der Schwelle des dritten Jahrtausends meditiert die Kirche die Geheimnisse Christi als des menschgewordenen Wortes und lädt zu einer Neuevangelisierung der Menschen ein, da in Europa während zweier Jahrtausende das Evangelium verkündet und häufig bekämpft wurde.

Christus als Quelle für eine neue Kultur Europas an der Schwelle des neuen Jahrtausends vorzuschlagen, bedeutet, der Zerstreuung unserer Kultur und ihrem Vergessen der essentiellen Dimensionen des Menschen entgegenzutreten, denn der Mensch ist als Bild und Gleichnis Gottes geschaffen, durch Christus erlöst und von seinem Heiligen Geist der Einsicht, der Weisheit und der Liebe belebt.

Nach der Fall der vorherrschenden Ideologien ist Europa nicht nur versucht, Philosophie und Anthropologie zu Naturwissenschaften und die Theologie zur Religionswissenschaft zu reduzieren, sondern mehr noch den Zerfall der Familie und das Problem der Erziehung, den Verlust der Glaubwürdigkeit der Schulen und Universitäten, die Aufgabe des Humanismus und die Verbreitung eines Symbolismus der Kunst ohne Anknüpfung an die Realität, die Erschöpfung des Menschen durch den Schock der Kulturen in der Gesellschaft, den entstehende Nationalismus, die tiefen ethischen Krisen, die Erschütterung der Wirtschaft und die Ohnmacht der Politik, die unfähig ist, neue Strategien vorzuschlagen, tatenlos hinzunehmen.

Das präsynodale Symposium versammelt Frauen und Männer aus verschiedenen Kulturen Europas und hilft, den Weg einer neuen Kultur für Europa zu finden, inspiriert von Christus, denn Er "offenbart eben dem Menschen … den Menschen selbst vollständig und erschließt ihm in seine hohe Berufung" (Gaudium et Spes 22).

Der Mensch soll wieder in seinem ganzen Dimension entdeckt werden, metaphysisch und mystisch. Die anthropologische Reflexion soll helfen, zu den philosophischen und mystischen Dimension zurückzufinden und auf eine christologische und trinitarische Theologie zu gründen. Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen. Das erste Gemeinschaft ist die Familie, in der das Kind seine erste Erziehung erfährt und auf die die Schule folgt und gegebenenfalls von der Universität vervollkommnet wird zum Wohl der Gesellschaft.

Die Vollkommenheit des Menschen, "dieses kleinen Gottes", wird in seiner Güte und Fähigkeit zur Wahrheit, Einheit und Schönheit offenbar. Literatur und Kunst bezeugen dies, und auch die Massenmedien sind Teil davon. Die Gesellschaft konstituiert sich aus den lebendigen Steinen der Frauen und Männer, deren wirtschaftliche Tätigkeit, geregelt von der Politik und unterstützt von den ethischen Werten, sich in den Nationen entfaltet so die Kulturen lebendig erhält.

Das ist die Wahrheit über den Menschen, offenbart in seiner Fülle von Christus, der Quelle einer neuen Kultur für Europa an der Schwelle des neuen Jahrtausends. Die Beiträge des Symposiums werden es ermöglichen, gemeinsam die Fundamente wiederzufinden, auf welchen die Instituten gründen und deren Dimensionen zu verlebendigen.

Die Beiträge der Frauen und Männer der Kultur dieses Kontinentes, in einem konstruktiven und geschwisterlichen Dialog vorgetragen, werden mit Sicherheit einen qualifizierten Beitrag für die Synode des großen Jubiläums der europäischen Bischöfe geben, die unter dem Titel steht: "Jesus Christus, der lebt in seiner Kirche, Quelle der Hoffnung für Europa".

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PROGRAMM

I. Wiederfinden der Fundamente:
Philosophie und Theologie, Anthropologie und Wissenschaften

Montag, 11. Januar – Vormittag, 9 Uhr
Vorsitz: Nikolaus Lobkowicz,
Eichstätt, Deutschland

1. Stanislaw Grygiel, Rom, Italien
Der neue Mensch, neugeschaffen von Christus, baut das neue Europa.

2. Bruno Forte, Neapel, Italien
Die Dreifaltigkeit, Modell für die Communio der europäischen Völker.

3. Julij Schreider, Moskau, Rußland
Christus, Quelle einer neuen Kultur für Europa.

4. Karen Nazaryan, Yerewan und Etchmiadzin, Armenien
Vom Osten in den Westen: für ein neues kulturelles und spirituelles Europa.

Montag, 11. Januar – Nachmittag, 15 Uhr
Vorsitz: Irina Alberti Ilovajskaja, Moskau, Rußland

5. Nataliya Kochan, Kiew, Ukraine
Die Wahrheit des Menschen, offenbart durch Jesus Christus. Für eine neue Anthropologie.

6. Alejandro Llano, Pamplona, Spanien
Eine neue Sensibilität. Eine neue Weise, den Menschen im Licht des menschgewordenen Wortes zu denken.

7. Per Beskow, Lund, Sweden
Christliche Identität in einem säkularisierten kulturellen Milieu.

8. Vincenzo Cappelletti, Rom, Italien
Für eine neue wissenschaftliche Kultur. Von der wissenschaftlichen Mechanik zur neuen Wissenschaft des Lebens.

9. Ioan Icã, Bukarest, Rumänien
Für die Erneuerung des christlichen Denkens und der spirituellen Einheit Europas. Person und Gemeinschaft.

 

II. Neubesinnung auf die Grundlagen:
Familie und Erziehung, Schule und Universität

Dienstag, 12. Januar – Vormittag, 9 Uhr
Vorsitz: Radim Palouš,
Prag, Tschechische Republik

1. Maria de Jesus Barroso Soares, Lissabon, Portugal
Erneuerung der christlichen Erziehung vor den Herausforderungen des dritten Jahrtausends.

2. Julián Marías, Madrid, Spanien
Verwurzelung der christlichen Kultur in der europäischen Humanismen.

3. William Stainsby, Donegal, Irland
Stärkung und Förderung der Familie zur Bewahrung und Weitergabe christlicher Kultur.

4. Anita Stašulane, Riga, Litauen
Erziehen, "damit die Welt glaube".

5. Ivan Dejanov, Skopje, Mazedonien
Mens sana in corpore sano. Für eine neue paideia - humanitas - sapientia.

Dienstag, 12. Januar – Nachmittag, 15 Uhr
Vorsitz: Björn Bjarnason, Reykjavik, Island

6. Herman De Dijn, Leuven, Belgien
Zukunft der Universität: Plädoyer für einen neuen Humanismus in der Erziehung.

7. Hanna Barbara Gerl-Falkovitz, Dresden, Deutschland
Technik und Religion. Größe und Grenze einer gemeinsamen Aufgabe.

8. Anatol Gryckievic, Minsk, Weißrußland
Der europäische christliche Geist zu lehren, in der Begegnung der Völker und der Kulturen von Ost an West.

9. Toni Nikolov, Sofia, Bulgarien
Für eine europäische Philosophie, die mit Mut die religiöse Dimension der Existenz neu erschließt.

10. Nodar Ladaria, Tbilisi, Georgien
Erneuerung des Denkens, verwurzelt in Christus als Quelle der intellektuellen und spirituellen Erneuerung des kommenden Jahrtausend.

 

III. Erneuern des Humanismus: Literatur, Kunst, Kommunikation

Mittwoch, 13. Januar – Vormittag, 9 Uhr
Vorsitz: Päivi Setälä
, Helsinki, Finnland

1. Patrick de Laubier, Genf, Schweiz
Ein neuer christlicher Humanismus für das neue Jahrtausend.

2. Ágnes Osztovics, Budapest, Ungarn
Verum et bonum. Unum et pulchrum.

3. Vincent Carraud, Caen, Frankreich
Neuigkeit des Christus und Erneuerung des Humanismus.

4. Krzysztof Zanussi, Krakau, Polen
Das Christentum als inspirierende Quelle für das Kino.

5. Dominique Ponnau, Paris, Frankreich
Christentum, alte und gleichzeitig neue Quelle des Schönen.

Mittwoch, 13. Januar – Nachmittag, 15 Uhr
Vorsitz: Willy Gjon Kamsi, Tirana, Albanien

6. Léon Zeches, Luxemburg
Informieren und formieren ohne zu disinformieren. Evangelisieren des Alltäglichen.

7. Zbigniew Nosowski, Warschau, Polen
Von Faktum bis zum Kommentar. Für eine christlich inspirierte öffentliche Meinung.

8. Peter Ryom, Kopenhagen, Dänemark
Renaissance der musikalischen Schönheit: die Herausforderung der heiligen Musik im XXI. Jahrhundert.

9. Cristina Odone, London, Großbritannien
Das Schreiben als Träger christlicher Werte.

10. Karl Gervin, Oslo, Norwegen
"Mensch und Gesellschaft". Für eine Kultur der Seligpreisungen.

 

IV. Neubedenken des Weges des Menschen in der Gesellschaft:
Nationen und Kulturen, Ethik, Wirtschaft und Politik

Donnerstag, 14. Januar – Vormittag, 9 Uhr
Vorsitz: Censu Tabone, Valetta, Malta

1. Zeljko Mardešic, Split und Zadar, Kroatien
Hilfe aus dem Evangelium: Nationen, Kulturen und Sprachen.

2. Ghelian Michailovic Prochorov, Sankt Petersburg, Rußland
Die Anamnesis Christi als Gegenbewegung zur liberal-kommunistischen Vision und als Quelle eines neuen christlichen Ideals für das kommende Jahrtausend.

3. Edmond Malinvaud, Päpstliche Akademie der Sozialwissenschaften, Vatikanstadt
Eine Kultur der solidarischen Wirtschaft, vom Evangelium inspiriert: Verantwortung der Personen und Verantwortung der Staaten.

4. Andrés Bajuk, Ljubljana, Slowakei
Wachsende Wirtschaft und Erneuerung der christlichen Kultur.

5. Chiara Lubich, Rom, Italien
Für eine Zivilisation der Liebe. Frau und Mann in der Gesellschaft.

Donnerstag, 14. Januar – Nachmittag, 15 Uhr
Vorsitz: Federico Mayor, UNESCO, Paris, Frankreich

6. Cyril Svoboda, Prag, Tschechische Republik
Christus als Feuerprobe der Nationen und im Herz der Völker.Eine neue christliche Kultur für das Europa des dritten Jahrtausends.

7. Maria J. T. Martens, Utrecht, Niederlande
Schaffung einer Gemeinschaft von Personen und Belebung der Zivilisation durch die Liebe.

8. Ján Szelepcsényi, Trnava, Slowakei
Für eine christliche Renaissance Europas.

9. Savas Agourides, Athen und Saloniki, Griechenland
Vom verwundeten zum versöhnten Europa durch "die Rückkehr zu den christlichen Wurzeln, die das Leben und die Kultur des Kontinents geformt haben" (Johannes Paul II.).

10. Herbert Schambeck, Linz, Österreich
"Es ist notwendig, dem heutigen Europa eine Seele zu geben und sein Gewissen zu formen" (Johannes Paul II.).

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